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Die erste Woche ist vorueber.

Nach sieben Tagen kann ich doch schon mehr erzaehlen und habe mehr Erfahrungen gemacht. Und das werde ich hier tun, auch wenn ich natuerlich nicht alles schreiben werde, um eure und meine Zeit nicht zu sehr zu strapazieren. Dennoch viel Vergnuegen bei den folgenden Erlebnissen.

 

Endlich angekommen

Es hat wirklich eine Weile gedauert und ich haette es nicht gedacht, aber sich an die Zeitverschiebung zu gewoehnen ist nicht leicht gewesen. Aber jetzt kann ich sagen, dass ich wirklich in Auroville angekommen bin. Ich kann die Naechte wirklich gut schlafen und auch die Geraesche, die logischerweise nicht weniger geworden sind, kann ich sehr gut ausblenden. Ich brauche keine Oropax mehr und bin am Morgen richtig erholt. Die Umgebung ist nicht mehr fremd und ich finde mich auch immer besser hier in Auroville zurecht. Auch der Regen hat endlich aufgehoert und ich bekomme schon richtig meine gewohnte Tiefenbraeune. Das Wetter ist sehr gut zu ertragen. Die Temperaturen liegen um 28 Grad und die Sonne sticht nicht erbarmungslos runter. Die Luftfeuchtigkeit ist recht hoch, was die Naechte ein wenig kuehl macht. Dennoch. Ich kann nur sagen, dass ich nicht mit euch tauschen moechte.

 

Pondicherry

Pondicherry (Pondi) ist die naechste grosse Stadt hier in dern naehe. Es faehrt drei Mal die Woche ein Bus kostenlos in die Stadt. Da kann man zumindest einen kleinen Eindruck bekommen von dem Stadtleben in Indien. Wobei es hier natuerlich nicht mit einer Grossstadt zu verleichen ist. Dennoch gibt es alles, was das Touristenherz begehrt. Stinkende Muellberge am Strassenrand, riesige Bazare mit stinkenden Muellbergen und stinkendem Fisch. Aber es ist fuer die empfindliche Nase nur fuer die erste halbe Stunde schlimm. Danach wird, so denke ich, das entsprechende Hirnareal aus Selbstschutz ausgeschaltet. Und ab dem Zeitpunkt kann man relativ gemuetlich durch die Strassen und schmalen Gassen laufen. Es ist schon etwas anderes, als man gewohnt ist, aber nicht so schlimm, wie es oft im Fernsehen oder in Berichten beschrieben wird. Es ist eben sehr ungewohnt. Und deshalb so extrem. Aber man gewoehnt sich dran. Und dann ist es wirklich in Ordnung.

Natuerlich ist man als Weisser hier Frischfleisch fuer Bettler und Strassenverkaeufer. Aber auch die sind nicht so extrem aufdringlich und frech. Wenn man ihnen klar signalisiert, dass man nichts gibt oder nimmt, dann lassen sie einen nach kurzer Nachfrage in Ruhe. Aber vielleicht liegt es auch einfach an mir und sie haben Angst vor mir.

Eine absolute Durchfallgarantie wird am Strand verkauft. Leckeres Speiseeis, das in kleinen Kuehlwagen Stunden in der prallen Sonne herumgeschoben wird. Wenn man eine Weile an Bett gefesselt sein moechte, dann immer rein damit. Die feinen europaeischen Maegen wuerden sich freuen.

Ansonsten habe ich der Stadt nicht sehr viel angesehen. Ich hatte nicht viel Zeit und ich wollte mir einfach mal einen Ueberblick verschaffen. Aber in einem Tempel war ich, vor dem ein Elefant steht (s. Fotos). Wenn man ihm eine Muenze gibt, dann nimmt er sie mit dem Ruessel und gibt sie an seinen Besitzer weiter. Als Dank bekommt man einen netten, aber bestimmten Klapps auf den Kopf.

Der Markt war, wie gesagt, recht gewoehnungsbeduerftig und mein Magen noch abgehaertet genug fuer Einkaeufe. Dennoch werde ich mich dort nach schoenen Tuechern umsehen und bestimmt das eine oder andere kaufen.

 

Kino und andere Events

Im Kino habe ich eine sehr interessante Doku ueber Kornkreise gesehen. Es ist ueberhaupt gut hier, weil alles auf Englisch ist und ich mich daran gewoehne. Mein Englisch ist ja nicht so schlecht, aber die Inder verstehe ich nach wie vor nicht sehr gut. Wenn die was sagen, weiss man erst beim letzten Wort, dass es nicht Tamil, sondern Englisch war. Und dann muss ich immer nachfragen, um die Info richtig zu verstehen. Mein meist benutztes Wort ist dadurch "pardon?". Aber auch das wird noch.

Vor ein paar Tagen habe ich an einer Lesung teilgenommen, von einem Gelehrten und Erleuchteten (?), der die Lehren Aurobindos studiert und in die heutigen Zusammenhaenge transportiert und alltagstauglich macht. Wirklich sehr interessant, aber diese Lesungen finden wohl woechentlich statt und ich habe immer nur gehoert "as we heard in the last paragraph...". Und ich habe eben diese Abschnitte nicht gehoert. Aber die Quintessenz ist klar. Nur die Erleuchtung kann uns retten. Tolle Einsicht finde ich. Ich werde sie weiter suchen.

Und einen ersten Schritt habe ich schon getan. Ich durfte in die Inner Chaimber. Das ist mitten in der goldenen Kuppel, die ich auch fotografiert habe. Es ist ein vollkommen weisser Raum aus weissem Marmor und weissem Teppich. Die einzige Beleuchtung ist Sonnenlicht, das von einem Parabolspiegel vom obersten Punkt der Kuppel ins Innere gelenkt wird. Dieser Lichtstrahl trifft auf eine Glaskugel mit einem Durchmesser von ca 1m. Der Raum hat einen Durchmesser von ca. 34m. Das Lich ist dadurch sehr gedaempft aber unheimlich weich und natuerlich. Durch die Glaskugel wird das Licht auch gebrochen und verschiedene sanfte Farverlaeufe entstehen im Umkreis der Kugel. Der Raum ist Rund und im aeusseren Kreis stehen 12 Saeulen. Nach oben ist es nicht ganz eine Kuppel. Zuerst geht es gerade und danach kuppelartig zusammen zu den Punkt, an dem Das Sonnenlicht nach unten auf den Boden Trifft, wo die Glasdkugel steht. Sehr mystisch und inspirierend. Ich werde bestimmt noch oefter dort zum Meditieren hingehen.

 

Koerperliche Arbeit

Gegen einen kleinen Aufpreis, darf man hier auch koerperliche Arbeit verrichten. Nur Spass. Aber da das eine Community ist, kommt natuerlich nicht drum herum, bei Arbeiten mitzuhelfen. Zumindest sollte man sich nicht druecken. Und ich als alter Buerohengst bin immer froh, wenn ich mich mal ein wenig austoben kann. So habe ich schon Blumen gepflanzt. Hoert sich nicht dramatisch an, aber in dem lehmigen Boden ist es gar nicht so leicht 60x60x60 cm grosse Loecher zu buddeln. Zuerst wird mit einer langen, spitzen Eisenstange der Boden gelockert. Dann mit einer Art Schaufel, ist aber nicht wirklich eine, wird die Erde ausgehoben. Sehr Ruecken schohnende Arbeit. Der Stiehl von dieser "Schaufel" ist so lang, wie die Schaufelflaeche selbst und verlauft in einem gewissen Abstand parallel dazu. Verstanden? Nein? Wenn man damit arbeitet, sieht man jedenfalls aus wie ein Hund, der nach einem Knochen buddelt. Beine gespreitzt und den Dreck durch die Beine nach hinten mit dem Ding geworfen. Also wie schon gesagt, sehr Ruecken schohnend. Das sollte mal einer von der Handwerkergewerschaft bei uns sehen.

Gestern habe ich dann beim Aufbau eines kleinen Lagerhauses geholfen. Klein heisst wirklich klein. 3x2m. Dabei habe ich die indische Arbeitsweise so richtig kennen gelernt. Schritt fuer Schritt heisst die Devise. Ja nichts machen, bevor etwas fertig ist. Ja nicht vorbereiten oder parallel arbeiten. Alle 5 Arbeiter waren mit der selben Sache beschaeftigt. Wenn einer was gemacht hat, dann haben es alle gemacht, groesstenteils zumindest im Geiste. Wir haben dann richtig schwere Querbalken aus Beton auf die fertige Mauer hochgehoben. Fotos zu diesem sehr "erhebenden" Erblebnis gibt es auch. Der mit den grossen Muskeln im weissen Hemd bin dann immer ich. Muss ich dazuschreiben, weil anhand der Hautfarbe kein richtiger Unterschied mehr zu erkennen ist.

 

Kalaripayat

Das Beste am Ende. Ich habe einen jungen Mann gefunden, der mir genau das geben kann was ich brauche. Er hat starke Haende und weiss um die Beduerfnisse eines Mannes meines Schlages. Im Internetkaffee lag ein Flyer aus, der mir verriet, dass hier in Auroville Kalaripayat unterrichtet wird und auch eine spezielle Massage angeboten wird. Fuer alle, die jetzt schon vor Phantasie uebersprudeln - es handelt sich um eine Indische Kampfkunst und eine Massageart, die fuer mehr Geschmeidigkeit und mehr Beweglichkeit sorgt. Nicht dass ich, auch bekannt als die Huefte oder die Schlange, sowas unbedingt braeuchte, aber schaden tut es nie. So werde ich morgen meine erste Stunde in Kalari bekommen und auch gleich die erste Massage. Bin mal gespannt und ich hoffe, dass ich viele neue Impulse fuer die Kampfkunst bekomme. Manish, der Lehrer, macht jedenfalls einen sehr nette Eindruck. Die Massage wird ueber 7 Tage jeden Tag gegeben und ist verbunden mit einer speziellen Diaet und mit speziellen Uebungen. Das Training findet, wie es vom Wetter her am besten ist, um 7 Uhr in der Frueh statt. Da ich ca. 10km zum Training brauche, habe ich ab heute mein eigenes Motorrad. Das lerne ich auch noch nebenbei. Kleine 125er Honda mit Fussschaltung. Was groesseres wollten sie mir nicht geben, weil meine Ueberlebenschancen in dem indischen Verkehr fuer zu gering eingestuft wurde. Mit der Maschine sollte ich die Zeit ueberdauern.

 

Abschluss

Wenn ich nach der eigentlich kurzen zeit ein Resume ziehen kann, dann dieses. Es ist geil hier. Die Entscheidung diese Reise zu machen ist eine der Besten ueberhaupt gewesen. Ich vermisse natuerlich bestimmte Dinge an Zuhause. Dennoch weiss ich, dass es Zeit war und gut ist. Die erste Zeit habe ich eher ruhig verbracht. Immer nur eine groessere Aktivitaet am Tag und dann setzen und wirken lassen. Ich lese sehr viel, mache Uebungen und was ich einfach viel mache ist entspannen. So kann ich nur sagen, dass ich wirklich an- und runtergekommen bin. Keine Langeweile oder Stress. Genau die richtige Mischung.

Nun werde ich mich wieder auf mein Bike schwingen und in den Sonnenuntergang cruisen. Wuensche euch eine schoene Zeit. Bis zum naechsten Mal.

25.11.07

 
     
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