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Angekommen in Auroville

Es ist geschafft. Ich habe den Flug gut ueberstanden und bin nach insgesamt 13 Stunden Flugzeit und 3 Stunden Taxifahrt in Auroville angekommen. Und ich kann nur sagen, dass es genial ist. Man merkt natuerlch, dass man nicht nur in einem anderen Land ist, sondern dass einen auch eine ganz andere Kultur erwartet. 

 

Die ersten Eindruecke

Verkehrte Welt

Allein auf dieser Tastatur zu schreiben ist ein wenig gewoehungsbeduerftig. Ich vermisse einige Tasten und andere sind einfach an der falschen Stelle. Und sie fahren alle auf der anderen Seite. Das macht es recht abenteuerlich, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Hier jeder Vorfahrt, der laut genug hupt. Mir meiner rostigen Fahrradklingel komme ich natuerlich nicht gegen die anderen an, so ist Demut angesagt und vor allem Vorsicht. Lieber zweimal gebremst, als einmal umgefahren.

 

Apropos laut

Wer hat noch noch nie einen Bollywood Film gesehen? Jeder der schon mal einen gesehen hat, kennt die schrille Musik und die bunten tanzenden Menschen. Von den Menschen habe ich noch nicht so viel gesehen, aber die Musik hoere ich jede Nacht, als haette jemand heimlich einen Lautsprecher in mein Kopfkisen eingebaut. Was das Ganze noch netter macht, ist dass es drei Lautsprecher sind mit verschiedener Musik. So vermisst sich das Ganze zu einem schrillen Gequaecke, das die ganze nacht laeuft. Gibt man zu dieser delikaten Mischung noch unablaessiges Froschquacken und Hundegejaule dazu, dann hat man eine ungefaehre Vorstellung, wie sich die nicht ganz so entspannende Nachkullisse anhoert.

 

Leben im Auroville

Meine Unterkunft ist ein Traum. Mitten im Dschungel steht ein kleines Haeuschen auf Stelzen. Daneben ein winziger Anbau, das das Badezimmer ist. Hier ist wirklich vieles recht fortschrittlich, was aber aus der Not geboren ist. Ich habe in einem Haus noch nie so viele LED- und Stromsparlampen gesehen, wie hier. Sie werden ueber Solar gespeist und haben wirklich einen sehr geringen Verbrauch. Und hell ist es dennoch.

Einige Tuecken gibt es natuerlich. Die Schraenke, die Nahrungsmittel enthalten, stehen mit den Beinen in kleinen Gefaessen mit Oel. Dadurch koennen die Ameisen nicht zu den leckeren Sachen.

Es gibt eine ganze Menge Muecken hier. Sie sollen, so will ich hoffen, keine Malaria uebertragen, aber laestig ist es dennoch, da sie steechlustig sind. Und es gibt eine Stelth-Variante. Sie summen nicht beim Anflug und erwischen einen quasi ohne Vorwarnung. Der Stich ist dennoch genauso, wie bei ihren summenden Artverwandten. 

Das Esen ist genial. Wie ich es ja vorhatte, kann ich hier sehr gut auf Fleisch verzichten. Es bleibt mir auch wenig anderes uebrig, da hier vegetarisch gekocht wird. Das Essen ist sehr gut und man kann sogar Salat bekommen, der nicht fuer Durchmarsch sorgt. Das Wasser ist gefiltert und so kann man es sich in Flaschen abfuellen und gut trinken. Bisher, immerhin drei Tage, habe ich alles gut vertragen und hoffe, dass es auch so weitergeht. Und ich meine, dass die Befuerchtungen so mancher Personen, das ich voellig abgemagert nach Hause komme, nicht zutreffen wird. Es gibt viel zu Essen hier.

Noch zur Meike. Sie ist die gute Seele, die das Haus vermietet und fuer mich sorgt. Es war eine gute Idee, hier zu reservieren. Der Preis ist zwar in der gehobeneren Klasse, aber es zahlt sich voll aus. Sie gibt mir gute Tipps und kann mir immer sagen, woich was findeund meistens tue ich es auch. Uebrigens wird mein Orientierungssinn, der ja, wie jeder weiss, exzellent ist, staendig gefordert, sobald  ich das Grundstueck verlasse. Es sind naemlich alle Strassen aus rotem Sand und mit Baeumen drum herum. Also sehr gut zu unterscheiden. Es kommt sehr lange nichts, auch keine Schilder. Die gibt es dann, wenn ueberhaupt, direkt vor den Gebaeuden. Aber zurueck zur Meike. Ich weiss nun mittlerweile, wieso das Areal, in dem ich wohne "Discipline" heisst. Meike hat strenge Regeln und eine genaue Vorstellung, wie was zu sein hat. Und das tut sie sehr gerne kund. Aber das ist schon in Ordnung, weil vieles wirklich besser funktioniert, wenn man sich an Regeln haellt. Dennoch geniesse ich die Freihet hier, auch wenn die Heimat und viele Leute hier bei mir sind.

 

Die ersten Tage

Die ersten Tage war ich eigentlich mit ankommen beschaeftigt. Die Zeitverschiebung hat mir mehr zu schaffen gemacht, als ich dachte. Teilweise hatte ich gar kein Zeitgefuehl mehr und habe mich voellig vertan. Zeitweilen dachte ich, es waere schon Naschmittag und dabei war es erst 11.00 Uhr. Es liegt auch ein wenig daran, dass es hier viel regnet zur Zeit und dadurch recht dunkel ist durch die dichte Bewoelkung. Es wird bereits um 18.30 Uhr dunkel. Die Naechte sind, wie weiter oben schon beschrieben, ein wenig laut. Aber ich habe den Rat von Meike beherzigt und Oropax mitgenommen. Die machen hier den Schlaf deutlich erholsamer.

So langsam lebe ich mich aber ein. Ich kenne mich langsam mit den Gewohnheiten aus und an das Englisch, das hier sehr eigen ist, gewoehne ich mich auch langsam. Wenn jemand was sagt, weiss man im erstem Moment gar nicht, ob es Englisch oder Indianisch ist. Die Leute nuscheln und sprechen nicht gerade Ozford Englisch. Aber dennoch verstaendlich, wenn man es identifiziert hat.

Und so werden die naechten Tage auch sein. Denn richtig ankommen ist wichtig. Meike sagt immer, dass die Seele nicht so schnell fliegt, wie der Flieger. Und das merke ich auch.  Wenn ich mir jetzt schon einen vollen Touristress machen wuerde, kaeme sofort eine Krankheit. Vielleicht kommt sie auch so, aber die ersten Tage sind dafuer erholsam. 

Die Dinge, die ich mir vorgenommen habe, haben noch Zeit. Ich bin ja noch eine Weile hier. Aber was ist gerne mache, ist Jonglieren. Wenn es regnet und mich die Lust packt, packe ich meine Baelle aus und spiele ein wenig. Mach mir echt viel Spass und ich lerne meine Haende richtig einzusetzen. 

Soweit fuers Erste. Ich denke es wirdbald noch mehr zu berichten geben und Fotos werde ich auch versuchen reinzustellen. Die sagen dann noch mehr. 

20.11.07

 
     
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