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Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch

Hallo liebe Freunde. An dieser Stelle moechte ich mich von euch fuer dieses Jahr verabschieden. Die naechste Zeit werde ich auf Reisen gehen und mir ein wenig noerdlicher und westlicher Indien ansehen. Meine zwei franzoesischen Freunde habengefragt, ob ich nicht Lust haette, mit ihnen auf eine kleine Rundreise zu gehen. Wir werden ca. 2 Wochen unterwegs sein. Das bedeutet natuerlich, dass ich nicht genau weiss, wo ich die Feiertage verbringen werde.

So moechte ich euch an dieser Stelle schon mal schoene Feiertage wuenschen. Habt viel Freude und Spass mit euren Familien und euren Lieben. Und feiert natuerlich schoen. Fuer das naechste Jahr wuensche ich allen nur das erdenklich Beste. Und natuerlich moechte ich mich bei allen bedanken, die ich in diesem, sich dem Ende neigenden Jahr, begleiten durfte und die Teil meines Lebens waren. Ich freue mich auf weitere gemeinsame Zeiten und wuensche allen viel Gesundheit und Liebe im neuen Jahr. Ich werde an euch denken und ich hoffe auf ein gutes Wiedersehen.

 

Was sonst so passiert ist.

Arbeit mit dem Koerper

Da ich mich ja in der letzten Zeit sehr auf die Massagen und auf die Kampfkunst konzentriert habe, ist in den letzten 14 Tagen auf diesem Gebiet viel passiert. Der Massagekurs ist schon vor einiger Zeit zu Ende, aber dennoch arbeitet das Ganze in mir. Von Zeit zu Zeit tausche ich Massagen aus und das ist wirklich eine sehr gute Sache, die mir sehr viel Spass macht. Ebenso hat sich die Moeglichkeit, Kalari zu ueben, erweitert. Denn Kaliani, meine Massagelehrerin, unterrichtet uns auch in Kalari. So habe ich 7 Tage die Woche Training gehabt und habe auch mit Waffen angefangen. Was davon natuerlich uebrig ist, wenn ich wieder daheim bin, ist fraglich. Die Bewegungen sind sehr vielfaelltig und die Formen nicht sehr einfach. Aber die Konzentration zu trainieren ist wirklich sehr gut. Die Aufmerksamkeit wird wirklich gut geschult. Und besonders Kaliani ist eine strenge Lehrerin und auch ein wenig ungeduldig. Sie geht sehr schnell voran und man muss da Schritt halten koennen. Und man muss dazu sagen, dass die an die 60 Jahre ist. Aber sie ist unglaublich in der Bewegung und der Schnelligkeit. Sie springt hoch, macht Spargat und alle moeglichen Verrenkungen. Einfach unglaublich.

Maneesh ist da eher der Workout-Typ. Bei ihm machen wir viele Uebungen fuer Beweglichkeit und Kraft. Und man ist richtig ausgepowert nach dem Training. Die Ergaenzung zwischen beiden Lehrern ist genial. Und es ist immer abwechselnd. Ich werde das Training vermissen. Aber ich freue mich auch schon sehr auf meinen Lehrer, Dieter. Auch wenn sein Name nicht so mystisch klingt. Aber sind ja die inneren Werte, die zaehlen und nicht die Aeusserlichkeiten. Und natuerlich die Qualitaet.

Das mit dem Spargat klappt leider noch nicht. Aber Fortschritte sehe ich dennoch innerhalb von drei Wochen. Und ich muss ja sagen, dass es seine Vorteile hat, kein Fleisch zu essen. Auch wenn ich es vermisse, es tut mir wirklich gut. Und ich habe ganz gute Sachen zu verschiedenen Themen, die den Koerper betreffen, gelesen. So ist die Veraenderung, die ich koerperlich und auch mit Sicherheit psychisch durchmache, eine sehr gute. Ich mache mir eigentlich nicht viele Gedanken darueber, ob ich fuer die Zukunft vegetarisch essen werde. Die leckeren Speisen bei Familie Weigel und natuerlich bei meiner Mutter, werde ich sehr vermissen. Wenn ich wieder daheim bin, werde ich wissen, was fuer mich richtig ist. Und das werde ich dann auch machen.

 

 

Der Alltag

Fuer Mitte Dezember war es ja geplant, dass ich umziehe, aber Meike, meine Wirtin, mag mich anscheinend aus einem unerfindlichen Grund so sehr, dass sie mich in Discipline behalten moechte. Sie hat mir auf dem Grundstueck ein Zimmer in einem Haus organisiert, das nicht offiziell zu vermieten ist, aber momentan leer steht. Und so kann ich weiterhin dort wohnen bleiben und der Preis ist auch unglaublich gut. Und vor allem kann ich das Zimmer behalten, waehrend ich unterwegs bin und brauche mir keine Sorgen zu machen, was passiert, wenn ich wieder da bin. Das hat sich alles sehr gut entwickelt. Und ich konnte es einfach auf mich zukommen lassen. So wird anscheinend irgendwie alles gut. Wie schon erwaehnt, lese ich sehr viel. Eigentlich ganz unterschiedliche Dinge. Normale Romane und spirituelle Buecher. Querbeet. Da die Spiritualitaet auch in Indien nicht auf der Strasse herumliegt, muss man sich damit selbst auseinander setzen. Die Menschen in Auroville sind hauptsaechlich damit beschaeftigt, zu ueberleben. Sie arbeiten fuer eine Idee, aber was sie zurueckbekommen, sind ca. 100 Euro im Monat als Maintenance, als Lohn. Sie wohnen zwar kostenlos, aber sie muessen die Unterhaltskosten selbst bezahlen. Und auch Indien ist nicht mehr so billig, wie es mal war. Die Preise ziehen an, nicht aber die Einnahmen. Ich bewundere die Menschen hier sehr. Sie koennen hier wirklich nicht reich werden, auch wenn sie 40 Stunden die Woche fuer die 100 Euro im Monat arbeiten muessen. Die Bedingungen sind nicht gerade einfach und die Buerokratie und die Steine, die die indische Regierung den Aurovillianern in den Weg legt, werden immer mehr. Es ist teilweise abstrus.

Dies ist nicht die Insel der Glueckseligen. Hier gibt es genauso Mord und Totschlag. Es gibt Ueberfaelle und Gier und Neid. Hier herrscht ein ganz normales Leben. Dennoch haben eine handvoll Menschen aus einem platten, riesigen Lehmfleck ein Paradies inmitten von Indien erschaffen. Vielleicht ist die urspruegliche Idee bei den Menschen, die schon seit zig Jahren hier leben, verblasst. Und sie wollen nur ihr Leben leben. Dennoch ist ihr Wille, zu veraendern und das was sie aufgebaut haben zu erhalten, sehr gross. Und dabei gehoert ihnen nichts von dem, was sie haben. Die Haeuser, die Anlagen, die Waelder oder sonstige Gaestehaeuser. Alles gehoert Auroville. Sie sind lediglich Besitzer. Aber keine Eigentuemer. Man sieht in den Haeusern selten Luxus. Eben die Dinge, die man fuer ein gutes und erfuelltes Leben braucht. Aber kaum Balast. Kaum Unnoetiges. Und vielleicht ist es aus diesem Grund vielleicht doch eine kleine Insel von Glueckseligen. Sie leben ein einfaches, aber dennoch zumeist erfuelltes Leben. Hier geht es nicht um Konsum und Schein. Hier ist das pure Leben. Aber nicht das einfache Leben des Indiens vor hundert Jahren. Die Technik hat auch hier Einzug gehalten. Und die Lebensbedingungen sind nicht zu Vergleichen mit dem Rest von Indien. Aber es war harte Arbeit und ein steiniger Weg bis hierher. Dass ich bei Meike an diesem einfachen, aber schoenen Leben Teil haben kann, dafuer bin ich dankbar. Und ich bewundere diese alte Dame, mit ihren 66 Jahren, steifen Knien, die jeden Tag weh tun, wie sie wie wild auf ihrem Moped bei Wind und Wetter herumfaehrt und tausend Dinge erledigt. Oder sich wie ein kleines Kind ueber den Regen freut, weil sie ihn eben brauchen.

Und so geht das Leben hier seinen Lauf. Die Momente des Hightechs sind meistens nur die, wenn ich hier am Rechner sitze. Das einzige, das ich so richtig vermisse, ist Musik. Ich kann immer nur, aber auch eher selten, mit Kopfhoerern Musik hoeren. Und das ist wirklich schade. Musik ist wirklich was Besonderes, das man so richtig vermisst, wenn man es nicht hat.

 

Abschied von 2007

Dann moechte ich mich endgueltig verabschieden. Am Abend werde ich im Nachtbus Richtung Bangalore sitzen und mich auf zu neuen Abenteuern begeben. Und auch das wirkliche Indien kennen lernen. Ein wenig zumindest. Das wird dann noch ein Kulturschock. Ein Spass wird es dennoch bestimmt werden. Und eine schoene Zeit. Wenn ich wieder da bin, schreiben wir wahrscheinlich das Jahr 2008. Und dann werde ich noch mehr zu erzaehlen haben. Bis dahin eine schoene Zeit und lasst es euch alle gut gehen.

 
     
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