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Froehliches und gesundes 2008

Allen, die sich auf diese Seite verirren, wuensche ich ein gesundes und froehliches 2008. Hoffe, alle sind gut in das neue Jahr gekommen und haben die ersten Tage des neuen Jahres gut ueberstanden. Hier in Indien waren die Feiertage und der Uebergang ins neue Jahr eher gemuetlich und ruhig. Seit zwei Tagen bin ich von meiner Rundreise wieder zurueckgekehrt und bin heil und gesund in Auroville gelandet. Ich habe viel gesehen und erlebt und ein wenig mehr Indien um mich gehabt, als hier in Auroville. Es war eine bereichernde Erfahrung und bin froh ueber die Wahl meiner Reisebegleitung. Boris und Marion haben mir die Zeit und das Reisen unendlich erleichtert. Ganz alleine waere die Reise weniger unterhaltsam und informativ gewesen. Denn Boris ist eine unerschoepfliche Quelle an Wissen und hat, was Gesundheit und Spiritualitaet betrifft, absolut die gleichen Interessen. So habe ich auf sehr vielen Ebenen neue Dinge erfahren und mich, wie man so schoen sagt, veraendert. So hat das Jahr 2008 fuer mich mit dem Ende einer Reise aufgehoert und beginnt gleichzeitig mit einer neuen.

Man sagt ja, wer eine Reise tut, der kann vieles erzaehlen. Das werde ich nun auch tun und von einigen Etappen berichten.

 

Abreise in Pondi

Unsere heitere Fahrt begann mit einem Nachtbus von Pondi nach Bangalore. Wir hatten uns wegen der doch recht knappen Entscheidung fuer diese Art entschieden, da es fuer den Zug recht knapp war. Der Komfort im Bus war wirklich hervorragend. Rechts und links waren auf zwei Ettagen Liegen, die fuer nicht allzu gross gewachsene und schwindelfreie Menschen, recht bequem waren. Sollte es besser auch, denn die Reise sollte immerhin 10 Stunden dauern. Das, was den schoensten Komfort in einem Fahrzeug ein wenig in den Hintergrund draengt, ist der Zustand der Strassen. Denn auch der beste Luxusliner auf See kann bei extremen Wellengang recht unbequem sein. Und so kann man sich das ungefaehr vorstellen, wenn man sich auf der oberen Liege befindet. Denn das Schwanken in dem Bus ist doch immens. Und zu dem Schaukeln kommt noch der allgemeine Verkehrslaerm. Hupen ist die Lieblingsbeschaeftigung indischer Verkehrsteilnehmer. Und das zu jeder Tages- und Nachtzeit. In der Mischung mit krachenden Federn und quietschenden Verwindungsgeraeuschen hat man ein ungefaehres Bild davon, wie es sein kann 10 Stunden auf einer Liege im Bus zu verbringen. Aber nur um eines zu erwaehnen. Das war die bequemste Reisemoeglichkeit von allen, die wir auf unserer Reise hatten. Aber dazu zu gegebener Zeit.

 

Fahrt von Bangalore ueber Mysore nach Bylakuppe

Bangalore haben wir um 6 Uhr Frueh erreicht und haben gleich die Weiterreise nach Mysore angetreten. Denn unser Ziel sollte ja das Tibetische Kloster in Bylakuppe sein, das nicht allzu fern von Mysore liegt. Zumindest laut Karte. Denn Entfernungen sind nicht mit europaeischem Mass zu messen, zumindest nicht, was die Reisezeit betrifft. Jedenfalls haben wir uns fuer einen oeffentlichen Bus entschieden, der uns von Bengalore nach Mysore bringen sollte. Es gibt die komfortablen Transportmittel, die privaten, die folgerichtig nicht die oeffentlichen sind. Die oeffentlichen Busse sind lediglich billig. Und das auf jeder erdenklichen Weise. Wir haben uns dann zu dem Busbahnhof gegeben, der uns beschrieben wurde. Wenigstens war diese Auskunft praezise. Denn Inder kennen den Ausdruck, ich weiss nicht, nicht. Sie geben dir immer eine Antwort, egal ob sie stimmt, oder nicht. Das bedeutet, dass man sich immer rueckversichern muss. Frage 5 Inder und du bekommst 7 Antworten. Von diesen Antworten nimmt man dann die meisten Uebereinstimmungen und hofft, das es richtig ist. So haben wir Stunden lang den richtigen Bus gesucht und gehofft, dass wir auch dort ankommen, wo wir hinwollen.

 

Bylakuppe - Ein kleines Stueck Tibet in Indien

Schliesslich und endlich, nach unzaehligen Stunden (ich moechte nicht nachrechnen, wie viele es waren, denn sonst verkrampft sich mein Hintern und mein Ruecken und ich kann nicht mehr aufstehen) sind wir in einer kleinen Stadt namens Bylakuppe angekommen. Nach einem sehr guten indischen Fruehstueck in einem herunter gekommenen Restaurant, wenn man das so nennen kann, haben wir das Ziel unserer Reise erreicht. Das Tibetische Kloster. Man sollte denken, dass man nach solch einer beschwerlichen Reise die Taschen in die Ecke schmeisst und sich eine erfrischende Dusche goennt. Doch das denkt man nur, wenn man die folgenschwere Bedeutung des Wortes P.A.P. noch nicht kennt. Da das Kloster soetwas, wie ein kleiner Staat in Indien ist, braucht man ein Visum, eben dieses P.A.P. Und ohne dieses Visum kriegt man noch nicht mal ein Zimmer auf dem Gelaende. Man darf es sozusagen noch nicht mal betreten. Dieses Gesetz wurde nicht von den Tibetern erlassen, sondern von der indischen Regierung, um die Tibeter zu schuetzen. Oder zu kontrollieren. Wie man eben sehen mag. Aber es ist wohl wirklich so, dass chinesische Spione sich fuer die Belange und das Wachsen der tibetischen Gemeinde interessieren. Aber das hat nichts an unserer Situation geaendert. Wir mussten das Gelaende verlassen. Zumindest offiziel. Denn es fand sich ein netter Hotelangestellter, der uns fuer eine Nacht direkt im Haupthotel Unterschlupf gewaehrt hat. Wir hatten auch Zeit, nachdem er ueberprueft hat, ob fuer den Abend Kontrollen von Seiten der indischen Polizei anstanden, uns ein wenig umzuschauen und einer Zeremonie beizuwohnen. Das ist dann schon was anderes, als ein christlicher Gottesdienst. Wenn hunderte von Moenchen Mantras rezitieren und rythmische Klaenge ertoenen, dann hat man wirklich das Gefuehl, dass man sich in einem anderen Zustand befindet. Und die prachtvollen Tempel sind wirklich beeindruckend. Es ist insgesamt mystisch und anziehend schoen zugleich. Man kann sich richtig fallen lassen. Liegt vielleicht auch nur daran, dass man nicht versteht, was die da so sagen. Aber es klingt einfach schoen und geht richtig tief. Es hat viel Kraft und fesselt richtig. Wirklich schoen, dass wir das in unserer kurzen Zeit erleben durften.

 

Mysore - Palast und Tablas

Mysore sollte eine kleine Zwischenstation sein, um den Bus zur Weiterreise nach Hospet bzw. nach Hampi zu erreichen. Dennoch hat sich der Aufenthalt in Mysore sehr gelohnt, denn einerseits konnten wir uns den ueberaus beeindruckenden Palast anschauen und Boris konnte sich einen Traum erfuellen und sich Tablas kaufen, was traditionelle indische Trommeln sind. Der Preis hier in Indien betraegt etwa ein fuenftel des Preises in Frankreich. Deshalb war er doch dazu bereit, die grosse Tasche auf dem Rest der Reise mit sich herumzuschleppen.

Der Palast, den wir uns angesehen haben, bevor der Bus losfuhr, war wirklich unglaublich. Leider durfte man keine Fotos machen im Inneren, aber was da an Kunstfertigkeit und Handwerkskunst geboten wurde, war unbeschreiblich. Holzdecken mit Schnitzereien, vergoldete und verzierte Tueren, bemalte Fenster, Marmor ueberall und Gemaelde mit einem Detailreichtum, wie ich es bisher selten zuvor gesehen habe. Die Gaerten waren ebenfalls sehr schoen und vor allem weitlaeufig angelegt und ohne die Inder haette man einen Spaziergang auch durchaus geniessen koennen. Das hoert sich jetzt vielleicht gemein an, ohne die Inder. Aber als Weisser ist man fuer junge Inder wie Affen im Zoo. Die wollen einen staendig anfassen, fragen tausend Dinge und sind wirklich aufdringlich. Wenn man von 15 pubertierenden Teenagern umringt ist und man gar nicht genau weiss, wo die Hand gerade herkommt und wer am Arm zerrt, ist das vor allem fuer Frauen recht unangenehm. Und nach der 20. Gruppe wird es dann schon fast unertraeglich.

Der Tag verging dann auch recht schnell in Mysore und wir haben uns auf eine recht abenteuerliche Fahrt mit einem oeffentlichen Bus ueber Nacht nach Hospet begeben.

 

Fahrt nach Hospet - Nervenkitzel pur

Eigentlich war es nur eine Busfahrt, aber dennoch verdient sie eine gesonderten Eintrag. Denn schon die Tatsache, dass wir fuer diese mehr als 11 stuendige Fahrt keinen Sleeper hatten, sondern einen recht unbequemen Stadtbus, der eben ueber Land fuhr, ist der scheere Wahnsinn. Man kann die Beine nicht ausstrecken und der Ruecken ist ebenfalls nicht auf weiche Polster gebettet. Aber der Busfahrer bzw. der technische Zustand des Busses haben Sorge getragen, dass wir uns wenigstens die Beine nach 2 Stunden Fahrt vertreten konnten, denn wir hatten eine kleine Panne. Die hat sich offensichtlich fuer den Fahrer schon abgezeichnet, denn er ist direkt in irgendeine Werkstatt fuer Busse und Transporter gefahren. Mit all den Passagieren fuhr er dann auf die Grube und lies die Mechaniker nachsehen. Es wurde heftig gehaemmert und geschweisst und nach einer halben Stunde konnte es auch weiter gehen.

Mitten in der Nacht haben wir dann an einem 100 Sterne Restaurant gehalten. Die vielen Sterne hat es nicht verdient, weil das Essen so ausgezeichnet war, sondern weil ueber ein paar Pfeiler einige Wellbleche gespannt waren, man aber den Himmel sehr gut sehen konnte. Waende gab es ohnehin keine. Aber ein Menue fuer alle. So hat man sich nicht ewig durch eine Speisekarte arbeiten muessen. Mit einem Gasherd, Eiern und Gemuese koennen die immer etwas leckeres zaubern. Solange es genug erhitzt wurde, kann man es auch durchaus essen. Natuerlich ist es immer ein wenig gefaehrlich, sich fuer eine Busfahr, die recht wenige Stopps beinhaltet, was in den Magen zu hauen, von dem man nicht recht weiss, ob die Eier schon 5 oder nur 3 Tage ungekuehlt in der Sonne standen. Aber wie gesagt. Es hat erstaunlich gut geschmeckt und es ist uns auch gut bekommen.

Was auf dieser Fahrt ebenfalls erwaehnenswert ist, sind die Lastwagen. Denn die sind gross, hupen staendig und fahren immer mit Fernlicht, wenn sie ueberhaupt Licht haben. Ich habe mal in einem Reisefuehrer gelesen, dass man keine oeffentlich Busse fuer Nachtfahrten nehmen soll, denn die Fahrer sollen immer bis unter die Haarspizten voll mit Drogen sein. Meike hat das dann relativiert und hat gesagt, ich solle mir nicht so viele Gedanken machen. Die Fahrer fuer die Tagestouren sind auch voller Drogen. Jedenfalls bin ich mir sicher, dass unser Fahrer etwas eingeschmissen hat. Oder er hat auf einem Superman-Heft geschlafen. Wenn auf recht engen Strassen, laut hupend ein hell erleuchteter riesiger Lastwagen entgegenkommt, weil unser Busfahrer gerade im Schneckentempo einen anderen Lastwagen ueberholt, dann geht dir das Arschwasser aber maechtig die Ritze runter. Eigentlich waere Schlaf das Beste, weil du deinem Ende nicht ins Auge blicken moechtest, aber der Koerper und der Verstand haben diese Sensationsgeilheit, die dich direkt ins Licht und dein Verderben blicken lassen. So ist nicht an Schlaf zu denken und du frierst vor lauter Schweiss auf deinem Koerper und zitterst vor angespannter Nerven.

 

Hampi - Das Drogenloch und 1000 Tempel

In Hospet angekommen und dann nach einem kurzen Tranfer nach Hampi, unserem endgueltigen Ziel, waren wir froh, fuer einige Zeit nicht mehr Buss fahren zu muessen. Hampi ist eine kleine Stadt mit unendlich vielen Tempeln im Umfeld. Es gibt fast nur Hotels und Geschaefte in Hampi. Und Drogen. Die zweite Frage nach, how are you, war, what you like. Opium, Hashish oder Mariohana. Da wir ja charakterlich gefestigt sind und mit solchen Dingen nichts zu tun haben, war das Thema fuer uns zumindest abgeschlossen. Fuer die ganzen Verkaeufer natuerlich nicht, denn wir wurden unzaehlige Male gefragt. Man muss aber auch dazu sagen, dass es in Hampi so aehnlich ist, wie in Holland. Man kann leckeres Gebaeck kaufen oder sonstige Magic Sachen. Die maennlichen Pflanzen, die weniger THC enthalten duerfen wie Tabak geraucht werden. Aber wie schon erwaehnt - pfui.

Ausser Drogen gibt es in Hampi, wie schon gesagt, sehr viele Tempel und eine atemberaubende Landschaft. Vor einigen Jahrhunderten muss es eine florierende Dynastie gegeben haben dort. Reges Treiben in den Tempel und im gesamten Umland. Wie eine Millionenstadt kann man sich das vorstellen. Aber heute sind es meistens Touristen, die sich in den Tempelanlagen herumtreiben. In dieser Gegend gibt es sehr schoene Steinformationen und einen Fluss, der das ganze Tal durchzieht. Auch auf eigene Faust kann man sehr schoene Wanderungen unternehmen und sich, erstaunlicher Weise fuer Indien, Ruhe goennen. Inder stehen gluecklicher Weise nicht so auf koerperliche Betaetigung, ausser es dient einer religioesen Zeremonie oder normaler Arbeit. So gehen sie nicht wandern. Deshalb gab es ein Entkommen aus dem sonst nervenraubenden Trubel.

Bis auf ein paar Touristen mit roten Nikolausmuetzen hat nichts an Weihnachten erinnert und so ist dieses Jahr das ganze Zeremoniell an mir vorbeigegangen. Es war fast ein Tag, wie jeder andere auch. Dennoch habe ich natuerlich meine Familie vermisst und habe mich gefragt, wie es ihnen wohl geht. Aber die Sonne, die mir auf den Ruecken brannte, als ich so regungslos und gedankenverloren an Weihnachten und Winter in Deutschland dachte, brachte mich wieder in die Realitaet zurueck und habe weiter an meinem leckeren Papayasaft genuckelt.

Die Zeit in Hampi war eher entspannt und ohne staendigen Ortswechsel. Lediglich die Tagesausfluege mussten geplant werden und so konnten wir uns gut erholen. Die gesammelte Energie und die Ruhe war auch noetig fuer die naechste Etappe unserer Reise. Es sollte mit dem Zug nach GOA gehen.

 

Zugfahrt nach Goa

Ich weiss nicht genau, ob ich das schon erwaehnt habe. Aber Inder haben immer eine Antwort auf alle Fragen. Egal ob sie stimmt, oder nicht. Oder sie verschweigen dir bewusst eine kleine Wichtigkeit. So geschah es uns, als wir Zugtickets fuer den Zug nach Goa gekauft haben. Man sollte ja denken, dass, wenn man Tickets hat, dass das eben alles ist. Doch weit gefehlt. Die kleine, doch bedeutsame Abkuerzung WL macht einen feinen unterschied zu reservierten Plaetzen. Denn WL beduetet Waiting List. Aber fragt man den freundlichen Verkaeufer im Traveler Shop, ob man mit dem Ticket alle noetigen Informationen hat, also Sitzplatz Nummer und so, dann sagt er nur, alles sei auf dem Ticket verzeichnet. In diesem, zugegeben naiven Glauben sind wir dann am naechsten Morgen zum Bahnhof nach Hospet. Aber wenigstens traf uns die Ueberraschung wegen der Tickets nicht noch im Halbschlaf. Wir sollten um 6.30 Uhr in Hospet losfahren. So haben wir eine Riksha bestellt fuer 5.15 Uhr. Aber der freundliche, Inder sind meistens freundlich, Fahrer ist einfach nicht aufgetaucht. Und versuch dann mal so frueh einen anderen Fahrer aufzutreiben, der mit sich ueber den Preis verhandeln laesst. So war unser Adrenalinspiegel schon recht hoch, als wir 10 Minuten vor Abreise am Bahnhof ankamen. Aber er sollte nicht allzu sehr sinken, als uns ein netter Tourist erklaerte, dass unsere Karten quasi nicht gueltig sind. Zumindest hatten wir keine reservierten Plaetze. Der wiederum freundliche Mann am Schalter erklaerte uns die Situation mit dem netten Zusatz, er koenne nichts aendern. Wir konnten uebrigens dann doch noch ein wenig herumfragen, denn der Zug kam eine Stunde zu spaet an. Wir sind dann auf gut Glueck und mit der Unwissenheit der dummen Touris in den Zug eingestiegen und haben uns schon auf eine Stehparty von 13 Stunden Dauer eingestellt. Und auf einen saftigen Aufpreis wegen Schwarzfahrens. Aber wie man so schoen sagt. Das Glueck ist mit den Dummen. Der Zug war nicht, wie angekuendigt, total ueberfuellt und wir haben uns auf freien Liegen breit gemacht. Habe ich gerade breit geschrieben? Richtig breit ging es nicht, denn die Liegen sind eher schmal und insgesamt haben die Zugwagons den Flair von Gefaengnistransportern. Alles aus robusten Stahlrohren und in dezentem Grau gehalten. Damit man unterwegs nicht verloren geht, waren die Fenster vorsichtshalber mit Gitterstaeben verriegelt. Fuer die Inder schien das kein besonderes Problem zu sein. Fuer sie ist Zugfahren wirklich eine Party. Die haben ein ueppiges Essen dabei mit vielerlei Gemuese und Teigwaren. Und falls man nichts dabei hat, kann man sich sehr gut mit Essen von den Verkaeufern versorgen, die staendig durch den Zug laufen und lauthals ihre Waren anpreisen. Wenn man sich es dann ein wenig gemuetlich gemacht hat und sich mit der Situation abgefunden hat, dann ist Zugfahren wirklich nicht so uebel. Es ist nicht ganz so schwankend, wie mit den Bussen und man hat keinen Gegenverkehr. Laut ist es dennoch, was aber mehr an den Insassen liegt und vor allem zugig und kalt. Ich habe in einem Buch, das ich hier gelesen habe, einen schoenen Satz entdeckt. Die Erloesung ist in dir. Und wenn man es so betrachtet, dann koennen die Umstaende noch so schlecht sein, wenn man sich damit fuer sich abgefunden hat, dann ist alles halb so schlimm. Und so ist es eben auch. Wenn man nicht mehr darueber nachdenkt, wie und was, dann kann man die Fahrt sogar geniessen und ganz neue Eindruecke erfahren. Man plauscht mit den Indern, die einem immerzu die selben Fragen stellen und hat sich den Magen mit undefinierbarem, aber dennoch wohl schmeckenden Dingen voll. So war es doch eine gute Idee, den Zug zu nehmen und nicht den Bus. Fuer dieses Mal.

 

GOA - Global Organisierte Abzocke

Hello my friend. Diesen Satz hoert an so oft, dann man sich am liebsten ein Shirt machen will mit, I'm not your friend. So ging es mir zumindest. Und zum friend wir man in GOA besonders zur Weihnachts - und Neujahrszeit. Denn da ist wirklich High Season. Und man ist ein weisser, prall gefuellter Geldbeutel, der sich auf zwei Beinen bewegt. Die Preise explodieren und Zimmer, die sonst 300 Rps kosten, werden fuer 1100 Rps angeboten. Und verhandeln ist nicht drin. Wir haben uns schon hoch in den Norden von Goa verzogen, der als preiswert im Reisefuehrer beschrieben wurde. Aber preiswert ist eben was anderes. Man muss aber sagen, dass wir es uns ausgesucht haben. So gibt es ueber Goa auch nicht so viel zu berichten, denn ausser Massen von Russen und Israelis und natuerlich unendlich vielen Verkaufsstaenden ist nicht viel zu sehen, bis auf den schoenen Strand. Wir haben dann nach langem Suchen doch ein Zimmer gefunden, das bezahlbar war, habe es aber zu dritt teilen muessen. Fuer einen netten Aufpreis habe ich dann auch eine Matrazze bekommen. Das Zimmer war gluecklicher Weise recht gross. Und der Eingangsbereich war abgetrennt, der dann mein Schlafbereich wurde. So haben wir die Tage an schoenen Straenden verbracht und eigentlich nicht viel unternommen. Es war eben ein richtiger Urlaubsort. Ich habe dann einen sehr abgelegenen Strand gefunden, der nur nach einem Fussmarsch ueber einen Huegel in 45 Minuten zu erreichen war. Und fuer die dicken Russen mit ihren schicken Frauchen war es wohl zu muehsam dorthin. So hatte man zumindest seine Ruhe, aber wer mich kennt, weiss, dass nur Strandurlaub nicht ganz meinem Geschmack entspricht. Wir hatten uns ja auch auf exzessive Goa Partys mit heissen Bikini-Maedchen eingestellt, Boris zumindest, ich bin ja da ein wenig bodenstaendiger, aber KEINE einzige gute Party weit und breit. Nur schlechte Touri-Mukke. Wenigstens ein paar Bikini-Maedchen. So war auch Silvester keine berauschende Party bis tief in die Nacht. Eher ein gemuetlicher Spaziergang am Strand und nettes Abendessen. Wir haben zufaellig Franzosen, die wir aus Auroville kennen, dort in Arambol getroffen und konnten standesgemaess mit Champanger anstossen. Die Zeit in Goa war im grossen und ganzen die teuerste Phase und die unspektakulaerste Zeit  unserer Rundreise.

 

Heimfahrt nach Auroville

Wenigstens haben wir unsere Nerven in Goa ein wenig schonen koennen, denn die haben wir fuer die Heimfahrt nach Chennai bzw Auroville gebraucht. Es waren 23 Stunden Zugfahrt. Diesmal haben wir die Tickets schon nach unserer Ankunft in Goa gekauft. Das heisst zwar auf Warteliste, aber innerhalb einer Woche war die Wahrscheinlichkeit, einen Platz zu bekommen, recht gut. So sagte man uns zumindest. Wir haben unseren Status auch von Waiting List auf Reserved geaendert. Aber als wir in den Zug einstiegen, mussten wir feststellen, dass wir nur Sitzplaetze hatten, obwohl wir fuer Sleeper gezahlt hatten. Und fuer eine Fahrt ueber 23 Stunden
kann man sich vielleicht unsere Laune vorstellen. Mit haengen und wuergen haben wir einen Schlafplatz ergattert und haben uns auf der Fahrt mit schlafen und sitzen abgewechselt. Fuer mich ist das dann auch nicht mehr so das Problem gewesen. Das ist immer irgendwie eine Art Uebung. Wofuer, das kann man sich aussuchen, aber es ist nicht mehr umbedingt ein Problem. Es ist eben wie es ist. Und das habe ich in Indien wirklich erfahren und vielleicht auch gelernt. Ich weiss nicht, ob es an einer Schicksalsergebenheit oder Gleichgueltigkeit liegt, aber die Inder akzeptieren das, meistens ohne sich zu beklagen. Vielleicht veraendern sich Dinge aber nur sehr langsam mit dieser Einstellung.

 
     
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